Militärsoziologie

Die Militärsoziologie beschäftigt sich mit den Bedingungen, Abläufen und Folgen des Handelns von Menschen in Bezug auf spezifische Institutionen zur kollektiven Gewaltausübung, die vielfach an staatliche Trägerschaft und organisationale Verfasstheit gebunden sind. Das genuin Soziologische ist hierbei die Betonung der Ordnungsperspektive für das Handeln von Einzelnen, von Gruppen oder auch von größeren Kollektiven (z. B. ganzer Organisationen oder von militärischen Einheiten und Verbänden). Neben kulturellen Kontexten spielen dabei auch Zeit und Raum (offene Landschaften und Städte, zur See und in der Luft) eine besondere Rolle.

Militär ist im heutigen Verständnis ein Phänomen der Moderne und in hohem Maße durch Technik bestimmt, wobei speziell im Aufeinandertreffen von Technik und kollektiver Gewaltandrohung oder -ausübung eine besondere Dynamik auf konkrete ethische Fragestellungen trifft (z. B. Anwendung von Aufklärungsmitteln und Distanzwaffen wie Drohnen). Die Militärsoziologie ist dabei in engem Austausch mit dem politikwissenschaftlichen Blick auf das Militär (insbesondere in den Bereichen Sicherheitspolitik und Demoskopie) und der Militärpsychologie, die das Erleben und Verhalten von Menschen im militärischen Kontext untersucht. Wichtige Berührungspunkte finden sich hier insbesondere in Gruppenphänomenen, der Rollen- und Sozialisationstheorie sowie anderen sozialpsychologischen Themenfeldern (z. B. des proszialen oder abweichenden Verhaltens), aber auch zu Fragestellungen der Motivation und der beruflichen Entwicklung.

Eine Institutionalisierung der Militärsoziologie fand Anfang der 1970er Jahre mit der Gründung des Arbeitskreis Militär und Sozialwissenschaften (AMS) und des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (SOWI) statt, wobei das SOWI 2013 in das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) integriert wurde. Militärsoziologische Fragestellungen werden seit 1993 auch im George C. Marshall Europäisches Zentrum für Sicherheitsstudien (Marshall-Center) bearbeitet. Universitär brachte im deutschsprachigen Raum insbesondere Rolf Ziegler in den 1970er Jahren in Wien und  später in München die Militärsoziologie voran. Beiträge wurden auch an den Universitäten der Bundeswehr in München (UniBw M) und Hamburg (HSU HH) geleistet. Seit 2007 gibt es an der Universität Potsdam Masterstudiengänge mit militärsoziologischen Schwerpunkten (aktuell: War and Conflict Studies).

 

Überblicksliteratur:

  • Dörfler-Dierken, A. & Kümmel, G. (2016) (Hrsg.): Am Puls der Bundeswehr. Militärsoziologie in Deutschland zwischen Wissenschaft, Politik, Bundeswehr und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer VS.
  • Leonhard, N. & Werkner, I.-J. (2012) (Hrsg.): Militärsoziologie – Eine Einführung. 2. Aufl. Wiesbaden: VS.
  • Caforio, G. (2006) (Hrsg.): Handbook of the Sociology of the Military. New York: Springer.
  • Gareis, S. & Klein, P. (2006): Handbuch Militär und Sozialwissenschaften. 2. Aufl. Wiesbaden: VS.
  • Kernic, F. (2001): Sozialwissenschaften und Militär. Eine kritische Analyse. Wiesbaden: DUV.

Im folgenden finden Sie weitere Links zu Periodika und Organisationen.

 

Links zu Periodika

Buchreihe “Militär und Sozialwissenschaften” im Nomos Verlag 

Forschungsberichte des ZMSBw zur Militärsoziologie

Zeitschrift „Armed Forces and Society“

Zeitschrift “Res Militaris”

 

Links zu Organisationen

Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

The European Research Group on Military and Society

International Sociological Association RC01 Armed Forces and Conflict Resolution

The Inter-Universitary Seminar on Armed Forces and Society

The International Applied Military Psychology Symposium